Rückgrat: Der Schülerverkehr ist für den Busverkehr des Landkreises eine existenzielle Finanzierungsquelle. Der demografische Wandel stellt den ÖPNV in strukturschwachen Kommunen vor besonders große Herausforderungen. Foto: Landratsamt Greiz

Eckdaten

Kreisstadt: Greiz

 

Fläche: 835 km²

 

Einwohnerzahl: 107.555 (Stand 31.12.2010)

 

Bevölkerungsdichte: 129 Einwohner/km²

 

Höchster Punkt: 530 m ü NN

 

Tiefster Punkt: 170 m ü NN

 

Länge der Eisenbahnstrecken mit SPNV: 95 km

 

Anzahl Bahnhöfe mit SPNV: 20

 

ÖPNV-Unternehmen im Landkreis:

  • PRG Personen- und Reiseverkehrs- GmbH Greiz,
  • RVG Regionalverkehr Gera/Land GmbH,
  • Omnibusbetrieb Dipl.-Ing. (FH) Günter Herzum,
  • Omnibusbetrieb Hartmut Piehler

Demografischer Wandel stellt Landkreis Greiz vor neue Herausforderungen

Im Juli wurde die neue Verknüpfungsstelle Bus/Bahn am unteren Bahnhof Zeulenroda feierlich eingeweiht. Um den öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) im Landkreis Greiz attraktiver zu gestalten, müssen Verknüpfungen zwischen Bahn und Bus aber noch weiter verbessert werden. Wie viele Kreise im ländlichen Raum kämpfen aber auch hier die Leistungsträger im ÖPNV mit rückläufigen Schülerzahlen und müssen sich der Herausforderung einer zunehmend alternden Bevölkerung stellen. RegioTakte zieht Kreise Von Henryk BALKOW

Im Vogtland zwischen Gera und Plauen liegt der Landkreis Greiz. Die Täler der Weida und Weißen Elster sowie die Hochflächen des Vogtländischen Oberlandes sind ein charakteristischer Lebens- und Erholungsraum. Mit der Stadt Gera im Norden ist der Landkreis und sein Verkehrsnetz stark verwoben. Überregional bekannt geworden ist der Landkreis Greiz in den letzten Jahren vor allem durch die Bundesgartenschau 2007, die unter anderem auch in Ronneburg wunderbare Blütenwelten präsentierte. Der Bahnhof der Kleinstadt liegt an der Mitte-Deutschland-Verbindung, die den Anschluss nach Gera, in Richtung Mittelthüringen und Westsachsen ermöglicht. Auf der Elstertalbahn erschließen die Züge der Vogtlandbahn nicht nur das malerische Flusstal, sondern verbinden auch die Kreisstadt Greiz mit Gera, dem sächsischen Vogtland und der Tschechischen Republik. Weiter westlich stellt DB Regio die Verbindung von Gera, Weida und Zeulenroda-Triebes in Richtung Franken und Bayern her. Über die Strecken Gera – Leipzig und Gera – Weida – Saalfeld ist der Landkreis Greiz an das Fernverkehrsnetz angebunden. Ab Juni 2012 werden hier stündlich durchgehende Züge zwischen Leipzig, Gera und Saalfeld fahren. Dann werden auf dieser Strecke die Züge der Erfurter Bahn unterwegs sein, die im Rahmen der Ausschreibung „Dieselnetz Ostthüringen“ den Zuschlag des Freistaats erhalten hatte. Um die Gemeinden und Ortsteile sowie die Städte Greiz, Zeulenroda-Triebes, Weida, Ronneburg sowie Berga und Bad Köstritz miteinander zu verbinden und an überregionale Verbindungen anzuschließen, leistet der straßengebundene ÖPNV hier jährlich vier Millionen Fahrplan-Kilometer, erklärt Frank Korn. Der zuständige Abteilungsleiter im Landratsamt Greiz verweist dabei vor allem auf die Bedeutung der Schülerbeförderung. „Der Schülerverkehr bildet ein wichtiges Rückgrat vor allem im ländlichen Raum und bestimmt bereits jetzt fast ausschließlich das Regionalbusnetz“, so Korn. Damit werde auch ein wesentlicher Teil der Finanzierung gesichert. Damit die Fahrgäste im Landkreis ein attraktives Nahverkehrsangebot vorfinden, ist eine gute Verknüpfung von Bahn und Bus wichtig. Dieses Ziel verfolge man auch im Landratsamt. „Im Interesse der Nutzer sollen die verschiedenen Verkehrsträger mit möglichst vertakteten Angeboten verknüpft werden“, erklärt Frank Korn. In Zeulenroda beispielsweise, wo der Bahnhof topografisch bedingt außerhalb des Stadtkerns liegt, erleichtert die neue ÖPNV-Verknüpfungsstelle das Umsteigen zwischen Bahn und Bus. Zwischen Bahnhof und Stadt wird ein Rufbus eingesetzt, der bei Anruf mindestens 30 Minuten vor der planmäßigen Abfahrtszeit den Anschluss vom unteren Bahnhof ins Stadtzentrum ermöglicht. „Solche neu geschaffenen Übergangsstellen mit optimalen Bedingungen werden bisher von den Fahrgästen gut angenommen“, so Frank Korn. Ähnlich sieht das auch die NVS – Nahverkehrsservicegesellschaft Thüringen mbH. „Die Verzahnung zwischen Bahn und Bus sowohl baulich als auch bei der Fahrplanabstimmung ist in Zeulenroda gut gelungen“, meint Sebastian Wauer, Angebotsplaner bei der NVS. Andernorts gebe es dagegen Nachholbedarf. „Die Zugangsstellen in Weida, Ronneburg und Berga/Elster entsprechen noch nicht den Anforderungen an einen Verknüpfungspunkt“, erklärt Frank Korn, Abteilungsleiter im Landratsamt Greiz. „Hier sind grundlegende Ausbaumaßnahmen erforderlich, die jedoch erhebliche finanzielle Aufwendungen erfordern“. Wichtig sei aber auch die Fahrplanabstimmung zwischen den Verkehrsträgern, so Sebastian Wauer. „Am Busbahnhof Greiz beispielsweise, der unmittelbar am Bahnhof liegt, stoßen Reisende oft auf lange Übergangszeiten, weil die Fahrpläne von Nahverkehrszügen und Bussen nicht optimal aufeinander abgestimmt sind“, meint der Angebotsplaner. Doch vor allem durch die vielseitigen Bedürfnisse der Fahrgäste ergeben sich verschiedene Erwartungen an den Fahrplan, die häufig nur schwer miteinander zu vereinen sind. „Bei der Anschlussgestaltung müssen wir einfach Prioritäten setzen. Die Anforderungen des Schülerverkehrs als größte Nutzergruppe dürfen nicht außer Acht gelassen werden. Weiterhin darf eine Kooperation zwischen Bahn und Bus natürlich nicht zu einer Verschlechterung der Beförderungsqualität für den Fahrgast führen“, so Korn. Mit Blick auf die Fahrgäste müsse abgewogen werden zwischen lokalen Erfordernissen und der überregionalen Anbindung, meint Volker M. Heepen, Geschäftsführer der NVS. „Langfristig ist es aber unumgänglich, die öffentlichen Verkehrsangebote auf Schiene und Straße kooperativ zu entwickeln, sodass das gesamte ÖPNV-System attraktiv für den Fahrgast und gleichzeitig wirtschaftlich zu betreiben ist. Nur so lässt sich der ÖPNV im ländlichen Raum dauerhaft sichern.“ Mit Blick auf die demografische Entwicklung im Landkreis verweist Frank Korn indes auch auf eine Herausforderung für den öffentlichen Verkehr, die in Zukunft wohl immer wichtiger wird. „Durch die zurückgehenden Bevölkerungs- und vor allem Schülerzahlen gehen dem straßengebundenen ÖPNV zunehmend Einnahmen und Ausgleichsleistungen verloren. Die kommunalen Haushalte werden das künftig nicht ausgleichen können. Um auch im ländlichen Raum ein leistungsfähiges ÖPNV-System zu erhalten, ist eine veränderte Finanzpolitik des Bundes und der Länder erforderlich“, plädiert der verantwortliche Abteilungsleiter im Landratsamt Greiz.