„In Zukunft auf einer stabilen Basis aufbauen ...“
Volker Hädrich löst Gerold Brehm ab und möchte als Konzernbevollmächtigter der DB AG in Thüringen an die Erfolge seines Vorgängers anknüpfen
Der Bau des DB-Werkes in Erfurt, der neue Erfurter Hauptbahnhof, die Mitte-Deutschland- Verbindung oder der Ausbau der Regionalnetze: Diese Projekte sind bei der Deutschen Bahn untrennbar mit dem Namen Gerold Brehm verbunden, der seit 1994 Bahnchef in Thüringen war.
Aufgewachsen in einer Eisenbahnerfamilie, studierte der gebürtige Thüringer an der Hochschule für Verkehrswesen in Dresden. Nach seinem erfolgreichen Studienabschluss übernahm Brehm verschiedene leitende Funktionen, z. B. in den Bahnbetriebswerken Eisenach und Erfurt sowie im Reichsbahnamt Meiningen. 1994 wurde er zum Beauftragten der Konzernleitung für den Freistaat Thüringen ernannt. Parallel dazu übernahm er die Aufgaben des Regionalbereichsleiters Werke der DB Regio, bis er 2000 ausschließlich als Konzernbevollmächtigter für den Freistaat Thüringen tätig wurde. Am 30. Juni 2010 verabschiedete sich Gerold Brehm nach 48 Jahren und 10 Monaten in seinen wohlverdienten Ruhestand. Seine Nachfolge trat am 1. Juli der Erfurter Volker Hädrich an.
Während der Übergabezeit: Gerold Brehm und Volker Hädrich (4. u. 5.
v.l.) gemeinsam zum Auftakt des Bahnhofsverschönerungsprogramms im Mai
2010 in Apolda
RegioTakte sprach mit dem neuen Konzernbevollmächtigten über Aufgaben, Herausforderungen und Zukunftsvisionen:
Herr Hädrich, welchen Aufgabenbereich umfasst die Position eines Konzernbevollmächtigten bei der DB?
„Meine Aufgabe ist es, die Interessen der Deutschen Bahn AG im Freistaat Thüringen zu vertreten. Ich bin Ansprechpartner für die Repräsentanten des Freistaates, die Ministerien, Gebietskörperschaften, Kammern und politischen Mandatsträger. Darüber hinaus koordiniere ich die Aktivitäten der Geschäftsfelder und Konzernunternehmen der Bahn mit dem Ziel, unseren Kunden eine gute Dienstleistung in hoher Qualität zu liefern.“
Wie schätzen Sie die aktuelle Situation des Nahverkehrs in Thüringen ein?
„In Thüringen haben wir in den zurückliegenden Jahren viel erreicht: Verkehrsstationen wurden modernisiert oder neu gebaut und Eisenbahnstrecken grundlegend saniert. Thüringen hat eine moderne Nahverkehrsflotte, die den Freistaat flächendeckend bedient. Dabei ist Kundenzufriedenheit durch pünktliche, saubere und attraktive Züge das Maß aller Dinge. Im Verkehrsbetrieb Thüringen setzen sich dafür täglich 800 Mitarbeiter engagiert ein.“
Welchen Herausforderungen stehen Sie als Konzernbevollmächtigter für Thüringen gegenüber?
„Grundsätzlich habe ich mittelfristig drei wesentliche Komplexe im Fokus: Erstens, den nachhaltigen Ausbau der Schieneninfrastruktur in Thüringen. Hier geht es primär um den weiteren zweigleisigen Ausbau der Mitte-Deutschland-Verbindung zwischen Weimar und Gera, inklusive der Modernisierung der Verkehrsstationen Jena West und Göschwitz, die grundlegende Sanierung der Strecke von Erfurt nach Wolkramshausen und natürlich die termingerechte Inbetriebnahme der Aus- und Neubaustrecke Nürnberg – Berlin im Jahr 2017. Zweitens die intelligente und bedarfsgerechte Verknüpfung aller Verkehrssysteme, mit dem Ziel eines maximalen Kundennutzens – und nicht zuletzt die Verwertung nicht mehr benötigter Bahnimmobilien und -flächen in Zusammenarbeit mit dem Freistaat Thüringen.“
Wo gibt es Ihrer Meinung nach Potenzial für eine Weiterentwicklung?
„Wir müssen die Zuverlässigkeit unserer Fahrzeuge stabilisieren. Hier optimieren wir gegenwärtig die Prozesse in der Fahrzeugbeschaffung und -instandhaltung. Dabei ist es wichtig, dass die operativen Funktionen zur Qualitätssicherung von den Verantwortlichen vor Ort wahrgenommen werden. Grundsätzlich ist es entscheidend, dass unsere Kunden die Fahrt mit der Bahn als angenehm und vorteilhaft bewerten – dazu zählen die Freundlichkeit des Kundenbetreuers ebenso wie Pünktlichkeit, Sauberkeit, Sicherheit und ein angemessener Preis.“
Was möchten Sie in den kommenden Jahren erreichen?
„Mein Ziel ist, dass wir durch unsere Kunden und Partner als zuverlässiger und attraktiver Dienstleister wahrgenommen werden und wir so zunehmend mehr Menschen fürs Bahnfahren begeistern können. Die Umsetzung der erwähnten Infrastrukturvorhaben, die Stabilisierung und Erhöhung der Qualität in unseren Zügen und Verkehrsstationen ist aus meiner Sicht die unerlässliche Basis für die Akzeptanz des Produktes Bahn, besonders in einer Zeit des verstärkten intermodalen Wettbewerbs zwischen den Verkehrsträgern. Dafür bin ich angetreten und auf diese Aufgaben freue ich mich.“
Volker Hädrich ist verheiratet und hat zwei Kinder. Der gebürtige Thüringer studierte Physik an der TU Dresden und war seit 1974 in verschiedenen Funktionen bei der Deutschen Reichsbahn, der Deutschen Bundesbahn und später bei der Deutschen Bahn AG tätig. Hier arbeitete er als Leiter Konzernorganisation und übernahm zuletzt die Position des Leiters „Ressortsteuerung Infrastruktur“.
(Fotos: DB AG/C. Busse, Heimrich & Hannot GmbH)