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Starke Förderungen für Thüringen


Im April hatte der Thüringer Minister für Bau, Landesentwicklung und Verkehr Christian Carius das diesjährige ÖPNV-Investitionsprogramm bestätigt. Darüber werden auch 2010 wieder viele größere und kleinere nötige Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung im Nahverkehr finanziert.

 
Seit 1991 hat der Freistaat Thüringen rund 1,3 Milliarden Euro an Fördermitteln zugunsten des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) bereitgestellt. Mit dem Ziel, im Freistaat die Nutzung von Bus und Bahn attraktiver zu gestalten, erteilt das Thüringer Landesamt für Bau und Verkehr (TLBV) derzeit die Zuwendungsbescheide für die Mittel des ÖPNV-Investitionsprogramms 2010. Insgesamt stellt Thüringen dabei 46 Millionen Euro für die Projekte zur Verfügung.

Neben mehr Ausstattungskomfort, zusätzlicher Sicherheit sowie Barrierefreiheit auf und an der Schiene wird insbesondere die sinnvolle Verknüpfung des Schienenpersonennahverkehrs mit anderen Verkehrsbereichen gefördert. Neu geschaffene Verknüpfungspunkte an Bahnhöfen erhöhen langfristig den Zuspruch für den ÖPNV am stärksten, wenn z.B. durch vorhandene Parkplätze den Fahrgästen der Umstieg auf den Zug erleichtert wird. Daher verwundert es nicht, dass dieser Förderkomplex der umfangreichste ist – sowohl was die geplanten Maßnahmen als auch die bereitstehenden Mittel betrifft. Neue Bus-Zug-Verknüpfungspunkte, deren Errichtung teilweise bereits 2009 begann, entstehen an den Bahnhöfen Eisfeld, Probstzella, Eisenach, Heldrungen, Kahla, Lobenstein, Zeulenroda unt Bf, Jena-Paradies und Leutenberg. In Vieselbach erfahren derzeit die alten Bahnsteige bei der neuen Buswendeschleife eine nachträgliche Sanierung. Am Bahnhof Jena West wurden behindertengerechte Pkw- sowie Fahrradstellplätze eingerichtet. Eine P+R-Anlage entsteht außerdem in Breitungen.


Auch am neuen Verknüpfungspunkt neben dem ICE-Bahnhof Jena-Paradies sind Baufortschritte schon deutlich zu erkennen



Die meisten Vorhaben des diesjährigen ÖPNV-Investitionsprogramms sind kombinierte Projekte, die auch aus anderen Fördertöpfen finanziert werden oder bereits früher gestartet sind. Ein Beispiel dafür ist die Eisenbahnüberführung in der Freiherr-vom-Stein-Straße in Nordhausen, die dort nun vor allem den Straßenverkehr entlastet. Bisher querte die Bahn, gesichert durch elektrische Vollschranken mit Blinklicht, die Straße und verursachte damit besonders zu Hauptverkehrszeiten regelmäßig Verkehrsstaus. Die neu gebaute Überführung wurde bereits Ende vergangenen Jahres durch Staatssekretärin Dr. Marion Eich-Born freigegeben und weitestgehend über das ÖPNV-Investitionsprogramm 2009 finanziert. Hier steht nun noch die Beseitigung der alten Bahnübergänge an, was über das diesjährige Programm realisiert wird.


















Mit der Unterführung (Bild oben) sind Straße und Schiene in Nordhausen nun getrennt und Verkehrsstaus durch Wartezeiten an den Schranken werden vermieden; kleine Bilder unten: die Freiherr-vom-Stein-Straße vorher



Als investitionsfreudigstes Unternehmen zeichnet sich die Harzer Schmalspurbahnen GmbH ab. Sie investiert für die Trassengrunderneuerung ihrer Strecke Nordhausen – Ilfeld – Eisfelder Talmühle einen hohen Anteil an Eigenmitteln. Mit Zuschüssen aus dem ÖPNV-Investitionsprogramm sind z.B. Oberbau-, Gleis- und Weichenerneuerungen sowie die neuen Bahnübergangssicherungsanlagen „Rosensteg“ und „Am Kirchberg“ bei Ilfeld geplant. Mehr Komfort möchten auch die Süd-Thüringen-Bahn und die Erfurter Bahn ihren Fahrgästen bieten. Sie verbessern unter Bezuschussung über das ÖPNV-Investitionsprogramm die Fahrgastinformation: Ihre Triebwagen sind künftig mit automatischen Zugdurchsagen unterwegs. Bislang erfolgten diese ausschließlich durch das Zugpersonal. Um Zugänge und Ausstattung zu verbessern, legt die DB Station & Service AG in Vieselbach sowie in Döllstädt und Großschwabhausen Hand an. So sollen diese Bahnhöfe barrierefrei ausgebaut werden.




















Am Bahnhof Vieselbach sind die Bauarbeiten zur Erneuerung der Bahnsteige und des Personentunnels in vollem Gange




„Verbundbedingte Investitionen“ sind im Zusammenhang mit der geplanten Erweiterung des VMT-Verbundgebietes vorgesehen. In den Beitrittsgebieten sind Investitionen z.B. für die Anpassung der Fahrscheinverkaufstechnik notwendig, damit Verbundfahrscheine auch dort erworben und genutzt werden können.

Mit den diesjährigen ÖPNV-Investitionen legt der Freistaat auch die Basis für langfristige Projekte oder solche, die mit anderen Maßnahmen kombiniert sind. Ein Beispiel dafür ist der Bahnhof Apolda, an dem außerdem gerade das Bahnhofsverschönerungsprogramm für 2010 startete (siehe auch aktueller Artikel unter Bahnhofsverschönerungsprogramm). In den kommenden Jahren soll auf der gegenüberliegenden Seite des Empfangsgebäudes eine komplexe ÖPNV-Verknüpfungsstelle gebaut werden. Im Zuge des Neubaus von Bahnsteig und Personenunterführung wird ein zweiter Bahnsteigzugang barrierefrei hergerichtet, um den direkten Zugang zur Bahnsteiganlage zu gewährleisten. Vorhabensträger ist die Stadt Apolda. Mit bis zu 75 Prozent Höchstfördersätzen soll die Finanzierung über das ÖPNV-Investitionsprogramm Thüringens erfolgen.





Eine vollständige Überblickskarte über die Maßnahmen des ÖPNV-Investitionsprogrammes und des Bahnhofsverschönerungsprogrammes in Thüringen können Sie hier als PDF herunterladen (180 KB)





Investitionen in den ÖPNV sind notwendig, um eine Alternative zum Pkw zu bieten und auch diejenigen zu erreichen, die heute den ÖPNV (noch) nicht nutzen. Volker M. Heepen, Geschäftsführer der NVS – Nahverkehrsservicegesellschaft Thüringen mbH, hält fest: „Es ist wichtig, dass die Verantwortlichen ihre Eigenmittel sinnvoll und auch über den eigenen Aufgabenbereich hinaus einsetzen, um mit finanzieller Unterstützung vom Freistaat Thüringen über das ÖPNV-Investitionsprogramm ein optimales Ergebnis für sich und alle Fahrgäste zu erzielen.“

(Fotos: Heimrich & Hannot GmbH, Stadt Nordhausen)