Abwechslung pur in Suhl
Naturreichste Stadt Thüringens, Bergbau- oder Waffenstadt im Thüringer Wald – Suhl trägt viele Titel, die das Bild der 40.000-Einwohner-Stadt in der Vergangenheit geprägt haben und weiter prägen
Dem aufmerksamen Besucher fällt schnell die vielfältige Architektur ins Auge, beispielsweise wenn er durch die Suhler Einkaufsstraße, den Steinweg, bummelt. Am westlichen Ende liegt die Hauptkirche St. Marien. Sie wurde 1753 nach dem letzten Stadtbrand wieder aufgebaut und gilt heute als die größte erhaltene Rokoko-Kirche Ostdeutschlands. Neben weiteren historischen Gebäuden wie dem Rokokohaus finden sich entlang des Steinweges aber auch Bauten jüngeren Datums, denn der Stadtkern wurde zu DDR-Zeiten nach sozialistischem Vorbild umgestaltet. So sorgt das Nebeneinander von Bauwerken aus unterschiedlichen Epochen für interessante Kontraste im Stadtbild.
„Rüstkammer Europas“
Der Steinweg mündet auf den Marktplatz, wo man vor der Kulisse des neubarocken Rathauses vom Suhler Waffenschmied „empfangen“ wird. Das Denkmal verbildlicht die reiche Tradition der Waffenherstellung, die bis ins Mittelalter zurückreicht. „Die Waffenproduktion in Suhl erreichte zur Zeit des Dreißigjährigen Kriegs, als Freund wie Feind beliefert wurden, ihren Höhepunkt. Daher rührt auch die Bezeichnung als Rüstkammer Europas“, sagt Peter Arfmann. Er ist Leiter des 2008 neueröffneten Suhler Waffenmuseums, dem einzigen europäischen Spezialmuseum für Handfeuerwaffen. Hier lässt sich die bewegte Geschichte der Waffenherstellung in Suhl spannend und unterhaltsam erfahren. Aufwändig gestaltete und mit Edelsteinen und -metallen geschmückte Gewehre zeugen außerdem von der handwerklichen Kunst der ansässigen Büchsenmacher. Die Besucher können beispielsweise einen verzierten Super-Luxusdrilling bewundern. „Es ist das letzte Gewehr seiner Art, das in der DDR hergestellt wurde“, betont Arfmann.

Heute halten eine größere Firma sowie 15 selbstständige Büchsenmacherfamilien die Tradition der Waffenherstellung in Suhl am Leben. Sie produzieren mehrheitlich Jagd- und Sportwaffen. Und auch der Schießsport spielt eine wichtige Rolle in der Stadt am Rennsteig. So ist am Schießsportzentrum auf dem Friedberg ein Bundesstützpunkt für Sportschießen angesiedelt. Auch Hobbyschützen haben hier die Möglichkeit, ihr Können unter Beweis zu stellen.
Das Waffenmuseum dokumentiert die
Geschichte der Büchsenmacher in Suhl
Abenteuer Bergwerk
Der Erfolg bei der Waffenproduktion ist unter anderem den reichen Eisenerzvorkommen in der Region zu verdanken, was hier unzählige Bergwerksschächte belegen. Zwar sind sie seit langem nicht mehr in Gebrauch, Besucher können sich dennoch ein Bild davon machen, was es bedeutete, unter Tage zu arbeiten.

Im Ortsteil Vesser eröffnete 2007 das Besucherbergwerk „Schwarze Crux“. Dem Bergbau, der in der Region zwischen dem 16. und 17. Jahrhundert seinen Höhepunkt erreichte, widmet sich auch das dazugehörige Museum. Eine Mineralausstellung, eine Auswahl an typischen Werkzeugen und Bilder aus vergangenen Zeiten vermitteln einen ersten Eindruck der mühsamen und gefährlichen Arbeit. Doch darauf folgt das wahre Erlebnis: Ausgestattet mit Helm und Lampe geht es – vollkommen sicher – Schritt für Schritt die Treppe hinab ins Dunkle. Durch enge Schächte und an ehemaligen Transportgleisen vorbei, gelangt man immer weiter in das Innere des Berges. Die kühle, feuchte Luft ist der ständige Begleiter auf dem Weg zu verwinkelten Stollen und atemberaubenden Höhlen. Wenn es dann wieder ans Tageslicht geht, ist man irgendwie doch froh, nur ein Stollenarbeiter „auf Zeit“ zu sein.
Naturerlebnis Thüringer Wald
Wanderfreunde kommen am nahegelegenen Rennsteig mit seinen abwechslungsreichen Wanderwegen voll auf ihre Kosten. Direkt am Stadtzentrum erhebt sich der 675 Meter hohe Hausberg, der Domberg, auf dessen Gipfel der Bismarckturm steht. Dort werden Wanderer nach dem Aufstieg mit einem herrlichen Blick über Suhl belohnt.

Wen es in luftigere Höhen zieht, der findet nahe der nordöstlich vom
Zentrum gelegenen Stadtteile Goldlauter-Heidersbach und Vesser mehrere
Berge, welche die 1.000-Meter-Marke nur knapp verfehlen. Diese –
darunter auch der große Beerberg mit 982 Metern – laden mit
fantastischen Ausblicken über Täler mit Höhenunterschieden von bis zu
500 Meter, saftigen Bergwiesen und plätschernden Bächen zum Wandern im
Naturpark Thüringer Wald ein. Für abwechslungsreiche Touren ist dank des
gut ausgebauten Wegenetzes rund um den Rennsteig gesorgt. Unterwegs
bieten Bergbauden und Hütten Gelegenheit zur Rast – zudem gibt es einige
Herbergen, in denen auch übernachtet werden kann.
Wanderparadies Vessertal
Mehr Informationen zu Suhl gibt es unter www.suhl-tourismus.de und www.suhltrifft.de sowie zum Waffenmuseum unter www.waffenmuseum.eu
Reiseempfehlung
Suhl ist mit dem Regionalexpress Erfurt – Würzburg und mit der Süd-Thüringen- Bahn Erfurt – Meiningen (jeweils alle zwei Stunden) gut zu erreichen. Fahrgäste aus Eisenach und Gotha steigen in Neudietendorf um, aus Richtung Saalfeld in Arnstadt. Von Gera, Jena und Weimar erreichen Reisende Suhl mit Umstieg in Erfurt, aus Schmalkalden über Zella-Mehlis.
Tariftipp
Mit dem Thüringen-Ticket können bis zu fünf Personen oder Eltern/Großeltern (max. zwei Erwachsene) mit allen eigenen Kindern/Enkelkindern Nahverkehrszüge in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt nutzen. Es gilt von 9.00 Uhr bis 3.00 Uhr des Folgetages und kostet ab 28 Euro. Für Einzelreisende gibt es außerdem das Thüringen-Ticket Single ab 20 Euro.
(Fotos: Archiv CCS GmbH, Stadt Suhl, Waffenmuseum Suhl)