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Wo Barbarossa träumt ...


Der Kyffhäuserkreis überrascht mit abwechslungsreicher Natur und sehenswerten Bau- und Kulturdenkmälern


Mit Rauschebart und in Stein gehauen ruht Kaiser Friedrich I., auch genannt Barbarossa, auf seinem Thron am Kyffhäuserdenkmal bei Bad Frankenhausen. Sobald sein Land ihn braucht, heißt es der Sage nach, würde er aus seinem jahrhundertelangen Schlaf erwachen und erneut regieren. Die Region, in welcher der Herrscher träumt, ist touristisch erstaunlich vielfältig und hat auch über das Barbarossadenkmal als bekanntestes Wahrzeichen hinaus viele entdeckenswerte Ziele. Zudem ist der Kyffhäuserkreis bereits seit Mitte 2007 Teil eines Modellprojekts für demografischen Wandel. Mehr als 20 Projekte bündeln regionale Strategien, um gute Lebensperspektiven der Einwohner zu sichern und zugleich neue Standortimpulse zu schaffen.







Weithin sichtbar im Landkreis ist das Kyffhäusergebirge, auf dessen höchstem Punkt Barbarossa ein Denkmal gewidmet ist








Bergige Naturschönheit

In der Region rund um das namensgebende Gebirge, die eine sehr artenreiche Flora aufweist, kommen Natur- und Wanderfreunde ganz auf ihre Kosten. Als Ausflugsziel lockt z. B. der Naturpark Kyffhäuser, der mit einer Gesamtfläche von 30.500 Hektar der kleinste Thüringer Naturpark ist und die Gebiete des Kyffhäusergebirges sowie der Hainleite und der Windleite umfasst. Geprägt ist die Landschaft sowohl von weiten Buchenwäldern am Nordhang sowie von kargen Steppenrasenflächen am Südhang, die an baumarme, mongolische Landschaften erinnern. Insgesamt sind hier über 1.300 Pflanzenarten beheimatet, darunter auch Blütenschätze wie das gelb leuchtende Frühlings-Adonisröschen. Östlich des Naturparks Kyffhäuser befindet sich ein weiteres „Mekka für Botaniker“: das Naturschutzgroßprojekt Hohe Schrecke. Auf dem ca. 15.400 Hektar großen Areal wurden allein über 600 Großpilzarten nachgewiesen. Die Hohe Schrecke soll durch sanften Tourismus in ihrer Natürlichkeit erhalten bleiben.


Bergige Naturschönheit

Im Osten des Landkreises, an der Strecke Sangerhausen – Sömmerda – Erfurt und unweit der Grenze zu Sachsen-Anhalt, liegt Artern. In der über 1.200 Jahre alten Stadt sind zwei wahre Perlen mittelalterlichen Kirchenbaus zu finden, die noch weitestgehend erhalten sind: die Kirche St. Marien aus dem 12. Jahrhundert und die St.-Veits-Kirche aus dem 13. Jahrhundert. Letztere wird heute nach umfangreichen Restaurierungen vor allem für Ausstellungen, Konzerte und standesamtliche Eheschließungen genutzt. Besonders sehenswert ist der auf der Vierung der Seitenschiffe befindliche Sattelturm, der dem spätromanischen bis frühgotischen Bau Seltenheitswert in Thüringen beschert.


Über den Glocken der Arterner Kirche St. Marien wurde eine Turmstube aus Fachwerk aufgesetzt



Wer einen herrlichen Blick über die Stadt, die nahgelegene Landschaft der „Goldenen Aue“ und bis zum weithin sichtbaren Kyffhäusergebirge genießen möchte, dem sei der Jüngkens-Aussichtsturm auf dem Arterner Weinberg empfohlen. Die Erhebung liegt 190 Meter über dem Meeresspiegel. Im Inneren des Turms lädt eine kleine heimatgeschichtliche Ausstellung zum Besuch ein.

Eine weitere Attraktion Arterns, besonders auch für Familien, ist das Soleschwimmbad. Eine Solequelle, die bis 1964 noch wirtschaftlich genutzt wurde, liefert heute das Wasser für das Freibad. Bei ca. 3,3 Prozent Salzgehalt können sich die Besucher in der Beckenlandschaft mit Rutschen und Strömungskanal tummeln.




Heldrungen

Von Artern aus erreicht man in wenigen Minuten mit dem Zug in südwestlicher Richtung Heldrungen. Wahrzeichen der Stadt ist ihre Festung, die Wasserburg, deren erste Anlage im späten 12. Jahrhundert als Fluchtburg für die Bewohner des nahgelegenen Ritterguts entstand. Wenige Jahre nach ihrem Umbau zu einem Renaissance- Wasserschloss kam ihr im Deutschen Bauernkrieg eine besondere Rolle zu: 1525 wurde hier der Bauernführer Thomas Müntzer bis zu seiner Hinrichtung festgehalten und gefoltert. Vor dem Nordflügel erinnert heute noch ein Denkmal an Müntzers Gefangenschaft. Heute geht es in Heldrungen etwas beschaulicher zu: „Gestresste Großstädter finden bei uns Ruhe und Erholung und vor allem herrliche Natur“, sagt Bärbel Steinhof von der Verwaltungsgemeinschaft „An der Schmücke“.

In Heldrungen ist die einzige befestigte Wasserburg französischer Festungsbaukunst Deutschlands vollständig erhalten



Im Westen Heldrungens schließt sich die Gemeinde Oldisleben an, deren Ortsteil Sachsenburg als weiteres Ausflugsziel lohnenswert ist. Hier liegt die Thüringer Pforte, der Engpass zwischen Hainlaite und Schmücke, der von der Unstrut durchbrochen wird. Bewacht wurde die Thüringer Pforte im Mittelalter von der Oberen und der Unteren Sachsenburg. Von beiden sind heute noch sehenswerte Reste erhalten.




Weitere Reiseziele

Wer einmal den Ort besuchen will, an dem der Schriftsteller Friedrich von Hardenberg, besser bekannt als Novalis, seine Verlobte Sophie von Kühn zum erste Mal traf, der ist im Schloss Grüningen in Greußen richtig. In dem zweigeschossigen Putzbau mit Mansarddach finden heute Veranstaltungen der Novalis-Gesellschaft sowie Konzerte und Literatur-Abende statt. In Greußen lohnt zudem der Ausflug ins Archäologische Freilichtmuseum Funkenburg, wo eine germanische Siedlung anhand von Grabungsfunden rekonstruiert wurde. Besucher können beim Rundgang durch Wohn- und Lagerhäuser oder am einsatzfähigen Lehmkuppelofen mehr über die Lebensweise der vorchristlichen Bewohner erfahren.

Zum alljährlichen Funkenburgfest am dritten Augustwochenende wird das Freilichtmuseum lebendig



Nur einen Steinwurf über die thüringische Grenze hinaus empfiehlt sich auch Sangerhausen mit dem „Europa-Rosarium“. Auf einer Fläche von 15 Hektar können sich Besucher vom Duft der 8.300 Rosenarten und -sorten – und damit der größten Rosensammlung der Welt – verzaubern lassen.




Reiseempfehlungen für die Kyffhäuserregion

Die auf der Strecke Erfurt–Sömmerda–Sangerhausen gelegenen Städte Heldrungen und Artern erreichen Sie ebenso wie Greußen von Erfurt aus stündlich und ohne Umstieg mit den Nahverkehrszügen. Besucher aus Richtung Heiligenstadt gelangen zweistündlich nach Sangerhausen und mit dortigem Umsteigen weiter in Richtung Erfurt nach Artern und Heldrungen. Zudem bestehen zweistündliche Regionalbahn- / Regionalexpressverbindungen nach Greußen mit Umstieg in Wolkramshausen.

Bad Frankenhausen erreicht man von Sondershausen sowie Artern aus ungefähr stündlich mit dem Bus. Am Wochenende bestehen diese Verbindungen vier- (Sondershausen) bzw. fünfmal (Artern) täglich. Von Bad Frankenhausen aus verkehren Mo–Fr zwei Rufbusse über die Barbarossahöhle zum Denkmal und zurück. Sa, So und an Feiertagen wird das Angebot um jeweils zwei weitere Fahrten mit Anbindung über Kelbra und Tilleda bis Bahnhof Berga erweitert. Wer den Rufbus nutzen möchte, sollte sich bis zwei Stunden vor Fahrtantritt unter 01805 333310 (bitte Haltestelle angeben) anmelden. Der Rufbus verkehrt seit 1. Mai bis einschließlich 31. Oktober.


(Fotos: Tourismusverband Kyffhäuser e.V. / F. Ludewig, Funkenburg Westgreußen e.V.)