Ausschreibung für das E-Netz Saale-Thüringen-Südharz sucht europaweit nach bestem Angebot
Das E-Netz Saale-Thüringen-Südharz verbindet
Thüringen mit vier Nachbar-Bundesländern:
Hessen, Niedersachsen, Sachsen-
Anhalt und Sachsen. Von Kassel bis Halle
und Leipzig sind auch viele Thüringer Städte
im Westen, Norden, Nord-Osten und der
Mitte des Freistaats in dieses wichtige Netz
integriert, das vor allem viele Pendler stark
nutzen.
Wenn im Rahmen des Verkehrsprojekts
Deutsche Einheit VDE 8 in Erfurt das neue
ICE-Kreuz entsteht, wird das E-Netz als Zubringer
und Abbringer für viele Thüringer
Regionen noch mehr an Bedeutung gewinnen,
weiß auch Thomas Grewing von
der NVS – Nahverkehrsservicegesellschaft
Thüringen. An der gemeinsamen Ausschreibung
unter Federführung der Nahverkehrsservice
Sachsen-Anhalt GmbH (NASA) beteiligt
sich, vertreten durch die NVS, auch der
Freistaat Thüringen als Auftraggeber. Über
5 Millionen von insgesamt 9,3 Millionen
der ausgeschriebenen Fahrplankilometer
pro Jahr verlaufen dabei in Thüringen und
binden Städte wie Jena, Weimar, Apolda,
Leinefelde oder Nordhausen schnell an die
Fernverkehrsangebote an.
Mehr Nachbarschaft: Thüringen wird mit der neuen Vergabe des E-Netzes durch eine Express-Linie noch schneller mit Städten wie Halle (Saale) verbunden. Hier entsteht auch Anschluss an den Fernverkehr und das mitteldeutsche S-Bahn-System. Foto: H. Balkow
Wenn die Baumaßnahmen im Rahmen desVerkehrsprojekts Deutsche Einheit abgeschlossen
sind, wird Erfurt als Knoten für
ICE-Verbindungen viel leisten müssen. An
diesem Drehkreuz treffen sich dann Hochgeschwindigkeitszüge
aus Frankfurt/Main,
München, Dresden und Berlin im Stundentakt.
Als Teil des neuen, europäischen Hochgeschwindigkeits-
Schienennetzes über
Nürnberg bis nach Palermo und über Berlin
bis nach Schweden wird das Reisen mit Zügen
für Pendler und Touristen zusätzlich an
Attraktivität gewinnen, weiß Grewing.
Seit mehreren Jahren läuft der Ausbau der
Infrastruktur im Rahmen dieses Großprojekts.
Der regionale SPNV müsse sich auf
diese Herausforderungen in der Fahrplangestaltung,
Technik und im Service einstellen
und die Chancen daraus nutzen.
Für diese Aufgabe gelte es nun, im Wettbewerb
das beste Angebot herauszufinden.
Bis Ende April 2012 können sich europaweit
Eisenbahn-Verkehrsunternehmen um das
„Filetstück“ im SPNV bewerben. „Der Freistaat
Thüringen und seine Partner bestellen
und bezahlen die SPNV-Leistungen beim
Gewinner der Ausschreibung für 15 Jahre
und sichern damit langfristig die Qualität.
Denn allein durch den Fahrscheinverkauf würde sich der Betrieb für das Eisenbahnunternehmen
nicht rechnen. Die Verträge
sind aber so gestaltet, dass der Betreiber
finanzielle Anreize hat, seine Einnahmen
durch mehr zufriedene Fahrgäste zu erhöhen“,
erklärt Grewing.
Hohe Anforderungen
für beste Mobilität…
Die NASA GmbH und ihre Partner setzen
bei Ausschreibungen klare Maßstäbe. „Der
Trend bei den Wettbewerbsprojekten geht
weg von funktionalen Qualitätsansprüchen
und hin zu ganz konkreten Qualitätsbeschreibungen.
Die Bewerber schätzen
inzwischen die hohe Präzision und Transparenz
der Verträge“, erklärt Tobias Jensch,
zuständig für SPNV-Vergabe bei der NASA.
Denn von eindeutigen Anforderungen profitieren
unterm Strich alle.
So sind in die Ausschreibungen Erfahrungen
mit der Besetzung durch Zugpersonal
eingeflossen, die dazu führten, dass nun
die Anbieter wieder mehr Kundenbetreuer
einsetzen müssen. Ein Plus an Service und
damit an Wettbewerbsfähigkeit des SPNV.
Neben allgemeinen Anforderungen müssen
aber auch die Bedürfnisse der beteilig ten Regionen berücksichtigt werden. Die
Optimierung von Anschlüssen zwischen
Fern- und Regionalverkehr sowie die bedarfsgerechte
Mobilität in der Fläche und
den Städten haben höchste Priorität im
Nahverkehrsplan des Freistaats. In der neuen
Fahrplangestaltung ab 2015 soll es deshalb
neben der Fortschreibung bisheriger
Express-Linien auch Neuerungen für regionale
SPNV-Angebote geben. So werden als
Kernstück im Thüringer SPNV gänzlich neue
Express-Linien für Erfurt – Weimar – Naumburg
– Leipzig, Erfurt – Weimar – Naumburg
– Halle (Saale) und Saalfeld – Jena – Leipzig
jeweils im 2-Stunden-Takt eingeführt, die
durch eine weitere Linie Jena – Halle in einem
anderen Vergabenetz ergänzt werden
sollen. Diese Züge haben untereinander Anschluss
in Naumburg. Die künftig einzusetzenden
beschleunigungsstarken Fahrzeuge
erreichen dabei Spitzengeschwindigkeiten
von bis zu 160 km/h.
Die Regionallinien Eisenach – Erfurt – Weimar
– Halle, Saalfeld – Jena – Großheringen,
Nordhausen – Leinefelde – Heilbad
Heiligenstadt, Erfurt – Sömmerda – Artern
– Sangerhausen sowie und Halle – Lutherstadt
Eisleben bleiben für die Flächenerschließung
erhalten. Zwischen Erfurt,
Sömmerda, Artern und Halle werden neue
Direktverbindungen durch eine Flügelung
in Sangerhausen ermöglicht.
„Das Netz an ÖPNV-Angeboten auf der
Schiene wird damit für noch mehr Menschen
attraktiver, zumal sich die Verknüpfung
mit Pkw, Fahrrad und regionalem Busverkehr an immer mehr Stationen verbessert“,
bekräftigt Grewing. Auch für Menschen
mit körperlichen Einschränkungen
werde durch das Wettbewerbsprojekt der
Weg zu mehr Barrierefreiheit geebnet. Die
Ausschreibung für den Betrieb des E-Netzes
ab 2015 solle aber auch den steigenden
Fahrgast-Erwartungen an den modernen
und bedarfsgerechten Service entgegen
kommen.
…und exzellenten aber
bezahlbaren Service
Beim Umstieg vom Fernverkehr in den regionalen
SPNV soll es künftig keinen starken
Knick mehr bei Komfort und Service geben.
Nicht nur äußerlich, sondern auch innen
werden die Nahverkehrszüge mit neuem,
sowie regional bezogenem Design attraktiver
und angenehmer.
Die Ausschreibungs-Anforderungen verlangen
komfortable Sitze mit großzügiger
Beinfreiheit, Kopfstützen, Armlehnen und
Leselampen. In jedem Zug muss es möglich
sein, Fahrscheine zu erwerben. So genannte
Repeater unterstützen den Mobilfunkempfang,
Steckdosen erleichtern die
Laptop-Nutzung. Moderne TFT-Bildschirme
informieren Fahrgäste aktuell. Videokameras
erhöhen die Sicherheit. Zudem müssen
die Fahrzeuge den Anforderungen von
Menschen mit eingeschränkter Mobilität
gerecht werden.
Neben diesem Komfort soll auch der Service
im E-Netz der Zukunft stimmen.
Die Wettbewerbs-Ausscheibung sieht daher
nicht nur Service-Personal in allen Zügen
vor, sondern auch Catering-Service auf
längeren Streckenabschnitten. Das Personal
muss zudem tarifgerecht bezahlt werden,
um Lohndumping zu unterbinden.
Neue und verbindliche Kundengarantien
stärken die Fahrgast-Rechte. Hierzu gehört
neben Sauberkeit und schnellen, korrekten
Antworten auf Anfragen auch die Einstiegsgarantie
für Fahrgäste, damit diese nicht
mehr vor verschlossenen Zügen stehen und
frieren müssen.
„Alle Beteiligten des Wettbewerbsprojekts
E-Netz Saale-Thüringen-Südharz möchten
in Zukunft die Fahrgäste beim Qualitätsmanagement
stärker einbinden. Die geforderten
Kundengarantien, die das Eisenbahnunternehmen
mit dem Zuschlag ab 2015
gewähren muss, sind ein gutes Instrument“,
ist sich Thomas Grewing sicher.
„Im Ergebnis erhoffen wir uns zufriedene
Fahrgäste, steigende Fahrgastzahlen und
somit auch eine verbesserte Wirtschaftlichkeit
des Angebotes. Gleichfalls soll damit
ein Beitrag zur Stärkung der umweltfreundlichen
Verkehrsmittel geleistet werden“ bekräftigt
Tobias Jensch von der NASA.
Die Zusammenarbeit haben die beteiligten
Akteure des Wettbewerbsprojekts schon
bei der Vergabe der Dieselnetze Ostthüringen
und Nordthüringen erfolgreich proben
und festigen können. Von dem Ergebnis
dieser neuen Qualität im SPNV können sich
Fahrgäste schon ab Juni 2012 in Ostthüringen
und dann ab Ende 2013 im Norden des
Freistaats überzeugen.