[ Zum Netz-und-Technik-Archiv ]

Sicher auf der Schiene unterwegs


Im Vergleich zu anderen Verkehrsbereichen schneidet der Schienenpersonenverkehr statistisch bei Unfällen und Kriminalität besser ab. Jedoch ist auch er nicht gänzlich frei von Delikten und Unglücken. Wir zeigen, was die Verantwortlichen unternehmen, um für ihre Fahrgäste weiterhin als sichere Alternative zur Straße zu bestehen.

 
In kaum einem anderen Verkehrs- und Alltagsbereich können sich Fahrgäste so sicher fühlen, wie im Schienenpersonennahverkehr (SPNV). Realistisch betrachtet ist es aber auch in diesem breiten Sektor – sowohl was seine Institutionen als auch seine geografische Ausdehnung betrifft – unmöglich, jedes unschöne Ereignis zu verhindern. Damit sich Straftaten und Unfälle auf ein Minimum reduzieren und das Zugreisen attraktiv bleibt, wird das Thema Sicherheit für alle Beteiligten großgeschrieben. Zum einen gilt es, tätliche Übergriffe auf Kunden und Mitarbeiter sowie Unglücksfälle zu verhindern. Zum anderen muss der Schaden, den die Unternehmen durch Vandalismus erleiden, eingedämmt werden.

Die hoheitliche Aufgabe, Ordnung und Sicherheit auf dem Bahngelände zu gewährleisten, obliegt der Bundespolizei. Sie verzeichnet auch die Straftaten und Unfälle, die sich jährlich auf Eisenbahngelände ereignen. So waren es z.B. bei der Deutschen Bahn AG (DB) für 2009 bundesweit 48.000 Straftaten. Um diese Zahl aktiv zu senken, hat die DB u.a. mit der Bundespolizei eine Ordnungspartnerschaft geschlossen. Seitdem arbeiten beide eng zusammen, denn Präsenz und die Möglichkeit, schnell eingreifen zu können, erhöhen das Sicherheitsgefühl für alle. Ebenso können andere Eisenbahnverkehrsunternehmen mit eigenen und auf die Aufgabe der Bundespolizei abgestimmten Sicherheitskonzepten sowie mit Präventionsarbeit einen großen Beitrag leisten, damit der Eisenbahnverkehr auch künftig als Bereich mit niedrigem Gefahrenpotenzial wahrgenommen wird.



Mit der Präsenz von Sicherheitskräften können Fahrgäste entspannter reisen.


Kriminalität eindämmen

Der Bundesinnenminister kündigte Ende 2009 an, ein Maßnahmenpaket für mehr Sicherheit im öffentlichen Personennahverkehr zu erarbeiten. Dabei ist u.a. geplant, uniformierten Polizisten die generell kostenfreie Nutzung von Bussen und Bahnen zu ermöglichen.

Nach eigenen Angaben investiert z.B. die Deutsche Bahn ca. 160 Millionen jährlich für die Sicherheit von Kunden und Mitarbeitern. Erst im März erklärte der Konzern, das Sicherheitspersonal in den Ballungsräumen um 10 Prozent aufzustocken und hatte 150 zusätzliche Mitarbeiter eingestellt – insgesamt sind nun mehr als 3.000 Personen in diesem Bereich beschäftigt. Ein erweitertes Sicherheitskonzept, das vor allem auch auf elektronische Sicherheitstechnik setzt, soll in Kürze vorgestellt werden.




Auch andere Verkehrsunternehmen haben ihre Maßnahmen zum Schutz vor Kriminalität in den letzten Jahren deutlich gesteigert, indem sie z.B. mehr Sicherheitspersonal und Videoüberwachung in den Fahrzeugen einsetzten. Denn leider bleiben tätliche Übergriffe auf Mitarbeiter des Eisenbahnverkehrs nicht aus, die sich meist bei der Fahrkartenkontrolle ereignen. Vor allem der Nahverkehr ist hier anfällig: Nicht selten ist das Zugbegleitpersonal gewalttätigen Übergriffen z.B. von aggressiven Schwarzfahrern, alkoholisierten Personen oder Randalierern ausgesetzt. Auf weniger frequentierten Strecken leidet gerade gegen Abend dann das Sicherheitsgefühl der Mitarbeiter.

Hier können entsprechende Schulungen helfen. „Mit einem selbstbewussten Auftreten können sich unsere Mitarbeiter sicherer fühlen. Sie können aber auch lernen, eine Situation richtig einzuschätzen. Manchmal wirkt schon ein Lächeln entwaffnend, um Aggressionen gegen sich und die Fahrgäste zu verhindern“, sagt Jörg Bönisch, Pressesprecher der DB für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. DB Regio bietet ihren Kundenbetreuern im Nahverkehr sogenannte Deeskalationstrainings an, die derzeit auch in Thüringen durchgeführt werden. Das Training ist zudem als fester Bestandteil bei der Ausbildung der Kundenbetreuer verankert.

Als positives Thüringer Beispiel kann die Harzer Schmalspurbahnen GmbH (HSB) erfreulicherweise eine Kriminalitätsrate mit der Tendenz gegen Null vorweisen. In jedem lokbespannten Zug fährt mindestens ein Zugbegleiter mit. Umfragen zufolge steigert die personelle Präsenz von Zugpersonal das Sicherheitsgefühl bei Fahrgästen deutlich. Daher fordert auch der Freistaat Thüringen bei Ausschreibungen von Leistungen im SPNV einen angemessen hohen Anteil von Zügen mit Zugbegleitern.

Ein nicht unerheblicher Faktor, der kriminellen Übergriffen vorbeugen kann, ist auch die bargeldlose Bezahlung von Tickets. In den Zügen der cantus Verkehrsgesellschaft ist sogar EC-Kartenzahlung möglich. An Passagieren ohne Kleingeld in der Tasche oder Guthaben auf der Geldkarte verlieren potenzielle Diebe so schneller das Interesse.


Kostenfaktor Vandalismus

Materielle Schäden durch Vandalismus entstehen auf verschiedene Art und Weise, Graffiti und das sogenannte Scratching (engl. zerkratzen) bilden jedoch den Schwerpunkt der Delikte. Von Schmierereien z.B. sind nicht nur Züge, sondern auch Bahnhofsgebäude, Brückenpfeiler oder Lärmschutzwände betroffen, was besonders großflächige Schäden im Millionenbereich verursacht. Die Entfernung ist extrem kostspielig, da sie Spezialisten mit entsprechendem Fachwissen erfordert, dabei zum Teil Fahrzeuge ausfallen oder sogar Streckenabschnitte gesperrt werden müssen. Leider scheint für die Täter eine Anzeige im Nachhinein noch keine ausreichende Abschreckung zu sein – die Häufigkeit von Vandalismusdelikten steigt.


Illegale Graffitis (li. Bahnhof Apolda) zu entfernen ist aufwendig, lohnt aber: Der Bahnhof Erfurt Nord (re.) begrüßt Fahrgäste mit sanierter Fassade nun wesentlich freundlicher



Die Verantwortlichen setzen auf Prävention, denn den Tätern selbst ist das Ausmaß ihres Vergehens oft nicht bewusst. Sprayer betreten zudem für das Anbringen ihrer „Kunstwerke“ meist die Bahnanlagen und bringen sich damit in Gefahr. Sogenannte Graffitischutzboards wurden bereits an mehreren Bahnhöfen installiert, z.B. in Camburg und Erfurt-Bischleben. Die A1-formatigen Plakatträger können jederzeit mit neuen Motiven überklebt werden und verhindern so eine langfristige Besprühung. Als nach eigener Aussage erfolgreiche und ähnliche Strategie hat sich bei der HSB bewährt, Graffitis an Wartehäuschen oder Fahrzeugen unmittelbar nach Bekanntwerden zu entfernen.

Ein Instrument bei der Vorbeugung war auch der DB-Präventionszug, der im Rahmen der Sicherheitskampagne „Fair und sicher unterwegs“ vor allem Schüler über die Gefahren und Konsequenzen von Vandalismus an Bahnanlagen und Fahrzeugen aufklärte.


Unerlässliche Unfallprävention

Doch auch ohne menschliches Zutun gibt es Gefahren an Bahnanlagen. Warntafeln und gut sichtbare, selbsterklärende Hinweise auf Bahnhöfen sowie an und in den Fahrzeugen helfen bei der Orientierung und tragen zu mehr Aufmerksamkeit bei. Gefahrenbereiche für Fahrgäste sind zudem abgesperrt und/oder ausreichend ausgeleuchtet, um Unfälle zu vermeiden. Der Appell der Eisenbahnverkehrsunternehmen an die Fahrgäste, sich an Bahnanlagen an die vorgegebene Ordnung zu halten und kein Risiko einzugehen, sollte lieber einmal zu viel als zu wenig erfolgen.

Verkehrsregeln zu beachten und einzuhalten ist vor allem auch an Bahnübergängen unerlässlich. Aufgrund der fehlenden Ausweichmöglichkeit und des langen Bremswegs von bis zu 1.000 Metern bei einer Geschwindigkeit von 100 Stundenkilometern haben Züge hier Vorfahrt. Dies zeigt anderen Verkehrsteilnehmern mindestens das Andreaskreuz an. Sind weitere Kriterien wie starkes Verkehrsaufkommen erfüllt, wird es durch Lichtzeichen und Schranken ergänzt. Vor dem Queren des Bahnübergangs muss man sich in jedem Fall selbst einen Überblick verschaffen und die Passierbarkeit abwägen.



Hilfe in Notsituationen

Fahrgäste können mit Zivilcourage viel zur Sicherheit beitragen, indem sie achtsam bleiben und bei ernsten Situationen nicht einfach wegschauen. Machen Sie zu Ihrer eigenen Sicherheit vor allem andere Fahrgäste sowie das Zugpersonal auf den Vorfall aufmerksam.

Falls Sie Zeuge oder gar Opfer eines Verbrechens geworden sind, sollten Sie dies bei der Bundespolizei unter der bundesweiten Rufnummer 0800 6888000 melden. Bei dem kostefreien Service können Straftaten, wie kriminelle Übergriffe oder Vandalismus auf Bahnanlagen oder in Zügen, rund um die Uhr angezeigt werden.

(Fotos: Deutsche Bahn AG/R. Kranert/H.-J. Kirsche, UPD GmbH)