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Eine Kette von Ingenieurbauwerken


In der RegioTakte-Ausgabe vom Juni haben wir bereits das Verkehrsprojekt Deutsche Einheit 8 inklusive der Baumaßnahmen im Knoten Erfurt vorgestellt. Lesen Sie nun, was sich derzeit auf den Neu- und Ausbaustrecken VDE 8.1 und 8.2 tut.

 
Das Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nummer 8 stellt mit seinen rund 500 Kilometern Aus- und Neubaustrecke zwischen Nürnberg, Erfurt, Leipzig/Halle und Berlin ein verbindendes Glied der Achse Skandinavien – Berlin – München – Verona der Transeuropäischen Netze dar. Gleichzeitig werden damit die mitteldeutschen Industriegebiete mit den Wirtschaftsräumen in Süd- und Südwestdeutschland verbunden. Ein großer Teil der baulichen Maßnahmen erfolgt in Thüringen und beschert dem Personen- und Güterverkehr im Freistaat einen ganz neuen Stellenwert. Denn im Zuge der Arbeiten entstehen insgesamt 14 Tunnel und 19 Talbrücken auf thüringischem Boden, die sich größtenteils bereits im Bau oder zumindest in Ausschreibung befinden. Der Chef der Deutschen Bahn, Rüdiger Grube, gab beim Bahngipfel am 21. Juni in Erfurt an, man wolle noch in diesem Jahr die ausstehenden Vergaben realisieren. Auf der Strecke VDE 8.2 nördlich von Erfurt läuft bereits der Trassenbau, südlich der Landeshauptstadt bis Ebensfeld/Nürnberg (VDE 8.1) soll in diesem Jahr der Gleis- und Oberleitungsbau beginnen.
 
 
Nürnberg/Ebensfeld – Erfurt
 
Die 190 Kilometer lange Schnellfahrstrecke Nürnberg – Erfurt befindet sich seit 1996 im Bau. Sie besteht aus 83 Kilometern Ausbaustrecke zwischen Nürnberg und Ebensfeld sowie der Neubaustrecke zwischen Ebensfeld und Erfurt. Voraussichtlich 2017 soll sie vollständig in Betrieb genommen werden. Dann verkürzt sich die Fahrzeit zwischen Erfurt und Nürnberg, denn die Trassierung ist für eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 300 Kilometern pro Stunde ausgelegt.
 
Bei der Planung entschieden sich die beteiligten Freistaaten Thüringen und Bayern 1992/93 in einem Raumordnungsverfahren für die kürzeste Linienführung, die den Thüringer Wald an seiner schmalsten Stelle quert. Um Forstflächen und Talgründe weitestgehend zu unter- bzw. überfahren, reihen sich auf der 107 Kilometer langen Neubaustrecke 29 Brücken und 22 Tunnel aneinander.























Der Zwischenangriffsstollen des Tunnels Silberberg bei Möhrenbach. Einen zweiten Zwischenangriffsstollen gibt es bei Altenfeld.

 
Vom Froschgrundsee an der bayerisch-thüringischen Landesgrenze kommend, erreicht die Neubaustrecke nordwestlich von Grümpen den Überholbahnhof Theuern. An der beeindruckenden Grümpentalbrücke fand Ende vergangenen Jahres der Bogenschluss statt: Mit 270 Metern Bogenspannweite ist sie nun zusammen mit der Talbrücke Froschgrundsee die größte Eisenbahnbogenbrücke Europas. Am sich anschließenden Tunnel Baumleite zwischen Theuern, Truckenthal und Grümpen ist der Hauptvortrieb am 15. Juli fertiggestellt worden. Am Bleßbergtunnel, der mit über acht Kilometern der drittlängste Deutschlands ist, sind die ersten vier Kilometer des Innenausbaus schon fertig.

Im Thüringer Ilmkreis ergeben sich weitere Spitzenzahlen entlang der Baustrecke. Mit über 70 Metern Höhe ist die Oelzetalbrücke bei Altenfeld eines der höchsten Bauwerke. Erst Mitte Mai erfolgte hier der Zusammenschluss des Bogens. Für den mit knapp 7,4 Kilometern zweitlängsten Tunnel der Strecke begann Anfang April der Hauptvortrieb, der an vier Stellen parallel läuft: Der Tunnel Silberberg wird künftig Großbreitenbach und das unter Schutz gestellte Obere Möhrenbachtal unterqueren.



Als längste Brücke in Thüringen überspannt die Ilmtalbrücke mit 1.681 Metern das Tal zwischen Langewiesen und Gehren

 
Nördlich der Ilmtalbrücke sind die Trassen bis zur Landeshauptstadt im Rohbau fertig gestellt und weitestgehend mit der A 71 gebündelt. Westlich von Molsdorf und Möbisburg führt die Strecke in Richtung Erfurt, um so das Wassergewinnungsgebiet Möbisburg zu schonen. Zwischen den Erfurter Stadtteilen Bischleben und Hochheim erreicht die Neubautrasse die bestehende Bahnstrecke Bebra – Erfurt.
 
 
Erfurt – Leipzig/Halle (Saale)
 
Nördlich des Erfurter Hauptbahnhofs schließt sich mit dem Teilprojekt VDE 8.2 die Neubaustrecke Erfurt – Leipzig/Halle an, die voraussichtlich 2015 komplett in Betrieb genommen werden soll. Die Trasse verläuft zunächst parallel zur Bestandsstrecke und zweigt bei Vieselbach in Richtung Nordosten durch das Thüringer Becken ab. Hier läuft der Trassenbau mit der Scherkonde-Talbrücke bei Krautheim und der Gänsebach-Talbrücke bei Buttstädt bereits auf Hochtouren. Erstere ist im Rohbau fertig gestellt, der Abschluss aller Arbeiten ist für Oktober 2010 geplant.
 
Im Verlauf der Saale-Elster-Talbrücke zweigt die Anbindung gen Norden in Richtung Halle ab und schwenkt auf die bestehende Trasse der Strecke Weißenfels – Halle. Die Einfahrt Halle wird für zwei Neubaugleise komplett umgebaut. In Richtung Leipzig führt die Strecke bis Gröbers im Saalekreis, wo sie auf die bestehenden Eisenbahnstrecken aus Richtung Halle (Saale) trifft. Ab da fahren die Züge entweder über Schkeuditz oder über die 2003 fertiggestellte, 23 km lange Strecke via Flughafen Leipzig/Halle und Leipzig Messe, um den Leipziger Hauptbahnhof zu erreichen.
 
Auf der 123 Kilometer umfassenden Strecke VDE 8.2 gibt es sechs Brücken- und drei Tunnelbauwerke. Am 3. Mai 2010 war mit den Durchschlägen am Bibra- und Finnetunnel (beide in Sachsen-Anhalt) offizielle Bauhalbzeit der Neubaustrecke. Künftig mit 300 km/h befahrbar, ergibt sich zwischen Erfurt und Leipzig eine Fahrzeit von 39 Minuten, für Erfurt – Halle von 31 Minuten.



Nördlich und südlich von Erfurt reihen sich viele größere Bauwerke auf den Strecken des Verkehrsprojektes Deutsche Einheit Nr. 8 aneinander.
In unserer Übersichtsgrafik haben wir alle Tunnel und Brücken auf Thüringer Gebiet dargestellt.
















Auf unserer Posterseite zur Tunnelbauweise des VDE 8 (PDF, 812 kb) am Beispiel des Bleßbergtunnels können Sie außerdem Wissenswertes über die unterirdischen Ingenieurbauwerke und ihre Entstehung nachlesen.


Mehr dazu auch unter www.vde8.de

 
 
Wirtschaftsstandort Thüringen
 
Neben der verkehrlichen Bedeutung nimmt der Aus- und Neubau auch in wirtschaftlicher Hinsicht einen hohen Stellenwert für die Region ein. Allein in Thüringen sind gegenwärtig etwa 1.500 Menschen direkt auf den Baustellen der Neubaustrecke beschäftigt. Zahlreiche mittelständische Unternehmen aus dem Thüringer Raum sind dabei als Haupt- oder Subunternehmer in das Projekt involviert. Nach Abschluss aller baulichen Maßnahmen erfolgen weiterhin Testphasen und der Probebetrieb aller Streckenabschnitte des VDE 8, was ca. zwei Jahre in Anspruch nehmen wird.


(Fotos/Grafikvorlagen: DB AG/F. Kniestedt)